Sie war 53 Jahre alt, als ihr größter literarischer Erfolg begann.
Louise von François hatte da längst erfahren, wie schnell ein Leben eine andere Richtung nehmen kann: Ihr Vater starb, als sie noch ein Kind war. Ein Teil ihres Erbes ging verloren. Eine Verlobung zerbrach. Statt eines unabhängigen Lebens bestimmten familiäre Pflichten und jahrelange Pflegearbeit ihren Alltag.
Und dann begann sie zu schreiben.
Nicht als junge literarische Hoffnung, nicht aus den Salons der großen Städte, sondern aus der Provinz – mit einem ungeheuren Vorrat an Erinnerungen, Menschenkenntnis und Lebenserfahrung. Mit 38 Jahren schrieb sie ihre erste Erzählung. Mit 53 erschien 1871 ihr bedeutendster Roman: „Die letzte Reckenburgerin“.
Ein Buch über eine vergangene Welt – und über Fragen, die erstaunlich gegenwärtig geblieben sind.
Wie viel Macht darf Herkunft ĂĽber unser Leben besitzen?
Was schulden wir unserer Familie?
Wann wird Pflicht zur Fessel?
Und darf gesellschaftliche Vernunft darĂĽber entscheiden, wen ein Mensch liebt?
Im Mittelpunkt steht Hardine von Reckenburg: eine stolze, kluge und eigenwillige Frau, die auf ihr Leben und auf eine untergehende gesellschaftliche Ordnung zurückblickt. Sie ist keine gefällige Romanheldin. Sie urteilt, widerspricht, entscheidet – und trägt Verantwortung für ihre Entscheidungen.
Gerade darin liegt die überraschende Kraft dieses Romans. Louise von François erzählt von Adel und Besitz, Liebe und Ehe, Krieg und gesellschaftlichem Wandel, aber vor allem von Menschen, die zwischen Erwartungen und eigenen Wünschen ihren Weg finden müssen.
Warum kennt heute kaum noch jemand diese Schriftstellerin?
Zu Lebzeiten wurde Louise von François gelesen, geschätzt und von bedeutenden Schriftstellern ihrer Zeit ernst genommen. Später verschwand ihr Name beinahe aus dem allgemeinen literarischen Gedächtnis. Dabei besitzt ihre Prosa etwas, das viele Jahrzehnte überdauert hat: psychologische Genauigkeit, feine Ironie und einen ungewöhnlich klaren Blick auf Freiheit, Verantwortung und weibliche Selbstbestimmung.
Diese Neuausgabe lädt dazu ein, Louise von François wirklich neu zu entdecken.
Zunächst erzählt ein neu verfasstes biografisches Porträt von ihrem außergewöhnlichen Leben, ihrem späten Weg zur Schriftstellerin, ihren Erfolgen und der Frage, warum sie dennoch nahezu vergessen wurde.
Anschließend folgt ihr großer Roman „Die letzte Reckenburgerin“ vollständig und ungekürzt – in der historischen Sprach- und Schreibweise des Originals.
So begegnet man zuerst der Frau hinter den Büchern – und hört danach ihre eigene Stimme.
„Neu entdeckt! Die kleine Bibliothek vergessener Dichterinnen“ holt Schriftstellerinnen zurück ins Licht, deren Werke einst gelesen wurden und die es verdienen, heute wieder gelesen zu werden.
Louise von François ist eine von ihnen.
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ISBN-Nummern:
Hardcover: ISBN 978-3-910973-69-5
eBook: ISBN 978-3-910973-74-9
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